Rock’n’Roll

Was ist Rock’n’Roll? Der Siegeszug des Rock’n’Roll begann 1954 in den USA. Die Rock’n Roll-Bewegung erreichte noch im selben Jahr Europa. 1954 war nicht nur ein wichtiges Jahr in der Musik- und Tanzgeschichte, es wird auch als das Geburtsjahr der modernen Jugendrevolution bezeichnet. Der Rock’n’Roll war Ausdruck des Protestes der jungen Generation gegen die bürgerliche Gesellschaft. Mit dem ekstatischen Rock’n’Roll rebellierten die Jugendlichen gegen festgefahrene Traditionen, Verhaltensnormen und Rollenerwartungen ihrer Eltern.

Der Rock’n’Roll stieß jedoch auf massive Ablehnung bei der älteren Generation. Indem die weiße Jugend die schwarze Musik und den Tanz übernahm, rechtfertigte sie die Emanzipationsbewegung der Farbigen und bedrohte somit die Vorherrschaft der Weißen. Offizielle Verbote wurden in den USA und in Europa, wo es weniger um das Schwarzenproblem, als um die « Bedrohung der Kultur » ging, mit Verstößen gegen Moral, Ästhetik und Religion begründet. Der « unmoralische » Rock’n’Roll wurde in den 50er Jahren für Jugendkrawalle verantwortlich gemacht, obwohl er nur ein sichtbares Symptom für bereits vorhandene Unruhen war. Wer Rock’n’Roll tanzte, wurde nicht nur als unmoralisch, sondern auch als kriminell verdächtigt. Der heute noch gebräuchliche Begriff « Rocker » ist ein Überbleibsel aus der ersten Rock’n’Roll-Ära der wilden 50er.

Die fremdartige Musik der Farbigen und die afroamerikanischen Tanztechniken, vor allem die Hüftbewegungen (« pelvis-motions »), wurden als Kulturschande bezeichnet. « Pelvis-motions » galten eindeutig als sexuell aufreizend.
Elvis Presley, bis heute umstrittener Rock’n’Roll-König, bekam den Beinamen « Elvis the pelvis ». Er wurde im amerikanischen Fernsehen nur von der Taille an aufwärts gezeigt und erhielt in einigen Städten aufgrund seiner Hüftbewegung Auftrittsverbot. Rock’n’Roll – ein altes Wort aus dem Schwarzenslang – heißt ursprünglich « Wiegen und Rollen » und besaß eine eindeutige sexuelle Bedeutung. Im Wortschatz der Farbigen ist der Rock’n’Roll eine Bezeichnung für Beischlaf.

Der Widerstand der älteren Generation verhinderte nicht, dass die Musik und der Tanz immer populärer wurden. Die Unterhaltungs- und Vergnügungsindustrie erkannte in der neuen Jugendkultur eine profitable Geldquelle. Filme und Schallplatten machten Stars wie James Dean, Bill Haley und nicht zuletzt Elvis Presley zu Stars; Tanzschulen kultivierten und verbreiteten den Rock’n’Roll rasant.

Die Hoffnung der Rock’n’Roll-Gegner, dass es sich nur um eine kurzweilige « Verrücktheit » handele, bestätigte sich nicht. Die Sehnsucht der Jugendlichen nach Befreiung durch Tanz und Musik ist geblieben. Der Rock’n’Roll ist die Wurzel der Rockmusik und Modetänze bis hin zur heutigen Zeit. Aber heute erinnert fast nichts mehr an die „revolutionären“ Einflüsse der 50er Jahre. Rock’n’Roll hat sich in unserer Gesellschaft etabliert.

Der Turniersport-Rock’n’Roll begann erst in den 70er Jahren in Europa, wobei es diesmal nicht nicht die Musik war, die ihn so beliebt machte. Es war das „Andere“ bzw. das „Besondere“, nicht das „Revolutionäre“, sondern eher das „Spektakuläre“, was am Rock’n’Roll mit Sprungschritt und Akrobatik so reizte.

Die Akrobatik brachte, neben Faszination und Temperament noch eine sportliche Variante mit sich, die der jugendlichen Dynamik entsprach. Da die sportliche Seite Höchstleistungen und den damit verbunden Einsatz forderte, beschränkte sich die Zahl der Rock’n’Roll-Sportler bald auf einen kleineren Kreis innerhalb einer großen Gemeinschaft an Freizeit-Rock’n’Rollern.

Die World Rock’n’Roll Confederation (WRRC) zählt heute über 30 Nationen. Die WRRC ist seit 1994 assoziiertes Mitglied in der International Dance Sport Federation (IDSF) und somit unmittelbares Mitglied in der General Association of International Sports Federation (GAISF).